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Leipzig außer Kontrolle - warum lief Demo aus dem Ruder?

Liebe Leserinnen und Leser, wenn man heute durch die Leipziger Innenstadt läuft, ist alles ruhig, lee
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Leipzig Update
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn man heute durch die Leipziger Innenstadt läuft, ist alles ruhig, leer und friedlich. Nur wenige Leute haben Lust zum Flanieren. Die meisten tragen Mund-Nase-Schutz, einige aber auch nicht, trotz der Schilder, die darauf hinweisen.
Aber es ist kein Vergleich zu dem Massenauflauf der “Querdenken”-Demo von gestern. 20 000 waren angemeldet, gezählt wurden dann bis zu 45 000 Menschen. Dicht an dicht, 90 Prozent ohne Mund-Nasen-Bedeckung, und das in einer Zeit, in der die Infektionszahlen nach oben schießen und wir im zweiten Lockdown sind. Verstehe wer will, dass das Oberverwaltungsgericht einen solchen Verstoß gegen alle Hygieneregeln auch noch mitten in der Stadt auf dem Augustusplatz erlaubt hat. In München wurde eine “Querdenken”-Demo vom Verwaltungsgerichts Bayern mit dem Verweis auf den Infektionsschutz untersagt. So kann man es auch machen.
Als Leipzig die Versammlung gestern Nachmittag aus guten Gründen auflöste, drückte die Masse dann um den Innenstadt-Ring, und die Polizei ließ sie gewähren. Hat die Ordnungsmacht kapituliert, war es eine Strategie, die sie uns noch plausibel erklärt? Es sei nicht alles optimal gelaufen, heißt es. Lesen Sie hier, was die Polizei sagt.
In dieser Mischung aus Maskenverweigerern, Verschwörungstheoretikern, Hooligans, Reichsbürgern und anderen Demonstranten kam es auch zu Übergriffen auf zahlreiche meiner Journalistenkollegen. Angeblich für Freiheit demonstrieren und dann die Freiheit der Presse mit Füßen treten! Das darf sich die Demokratie nicht bieten lassen! Mein Kollege Thomas Lieb hat das ganze Protokoll der Eskalation genau aufgeschrieben. Lesen Sie hier.
Inzwischen haben sich auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), der “stinksauer” ist, und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der in der Demo eine Gefährdung für uns alle sieht, geäußert. Lesen Sie hier.
Man kann die eine oder andere Lockdown-Maßnahme kritisch hinterfragen, aber was in Leipzig abging und die Innenstadt für Stunden praktisch außer Kontrolle brachte, war dazu nicht angetan. Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Björn Meine.
Es mag manchem klein vorkommen, aber wer um die Einsamkeit alter Menschen in diesen Zeiten weiß, der versteht das: Eigentlich wollten wir gestern in meiner Familie den 87. Geburtstag meines Vaters feiern. Er ist krank und pflegebedürftig und lebt im Heim. Seit vielen Wochen hat er sich darauf gefreut, seine Enkel und Urenkel an diesem Tag zu treffen. Nach langer Zeit. Er hat sie durch die Corona-Pandemie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen. Daraus wurde jetzt auch nichts. Er hat seinen Geburtstag allein mit mir “gefeiert”, beide trugen wir Masken. Ich will meinen Vater nicht gefährden und auch niemanden sonst im Altenheim. Und wenn ich dann sehe, wie verantwortungslos sich tausende Menschen ohne Abstand und ohne Mundschutz verhalten, finde ich das rücksichtslos gegenüber ihren Mitmenschen. Denn wenn die Infektionszahlen wieder steigen, leiden wir alle. Man kann über die Sinnhaftigkeit einzelner Lockdown-Maßnahmen streiten, aber bitte zivilisiert und nach den Hygieneregeln.
Ach ja, und als wäre das noch nicht genug für Leipzig, brannte es am Samstagabend wieder in Connewitz, wo die Linksradikalen Barrikaden in Flammen setzten. Auch darauf hätte die Stadt nur zu gern verzichtet. Als gebe es in Leipzig aber überhaupt nur Connewitz und nicht die “Querdenken”-Demo in der Innenstadt, haben dann auch noch die ARD-Tagesthemen nur über diesen Stadtteil berichtet. Wie viel einfacher lebt es sich doch mit Klischees.
Und während Leipzig voll mit dem Chaos beschäftigt war, wurde in den USA einfach stur weiter gezählt. Joe Biden hat’s nun geschafft. Und Donald Trump will das nicht anerkennen, sondern dagegen klagen und eine Task Force zusammentrommeln. Aber dieses quere Denken wundert doch schon niemanden mehr.
So, nun atmen Sie bitte durch. Ich weiß, das waren viele, teils heftige Informationen. Beim nächsten Newsletter gibt es hoffentlich nur gute Nachrichten. Umso mehr wünsche ich Ihnen noch einen ruhigen, entspannten Sonntagabend und einen guten Start in die Woche.
Bleiben Sie gesund.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Anita Kecke, Chefin vom Dienst







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